Der englische Komponist Benedict Mason machte 1975 bis 1978 eine Ausbildung als Filmemacher am Royal College of Art. Dem Komponieren wandte er sich relativ spät zu, mit Anfang dreißig, erregte aber sofort mit seinem ersten anerkannten Werk Hinterstoisser Traverse Aufsehen und gewann den Guido d'Arezzo-Preis für Oil and Petrol Marks on a Wet Road are Sometimes Held to be Spots where a Rainbow Stood, während sein erstes Orchesterstück Lighthouses of England and Wales den Benjamin-Britten-Wettbewerb (1988) gewann. Zu den folgenden Auszeichnungen gehören ein Fulbright-Stipendium, die Paul-Fromm-Auszeichnung (1995) für Steep Ascent within and away from a non-European Concert Hall: Six Horns, Three Trombones and a Decorated Shed und den Third Britten Award (1996) für Rilke Songs.

Masons frühe Werke entfalten eine für die Postmoderne charakteristisch stilistische Vielfalt, die sich zum Teil aus ihren "Forschungs'-Absichten ergeben: das String Quartet No.1 untersucht verschiedene Reisemöglichkeiten, Lighthouses in England and Wales analysiert das Phänomen der "See-Musik", während Oil and Petrol Marks ... Kinderspiele vergleicht und klassifiziert.

Die Arbeiten um 1990 zeigen ein zunehmendes Interesse an Polyrhythmik, das in zwei hoch virtuosen Ensemblestücken gipfelt: dem funkelnden Double Concerto (eine virtuelle Hommage an Ligeti) und besonders dem mit charakteristischem Humor betitelten Animals and the Origins of Dance, einer Gruppe von "zwölf neunzig-sekundigen polymetrischen Tänzen", die an manchen Punkten bis zu elf verschiedene "click-tracks" verlangen.

Playing Away, eine große Oper über Fußball, Oper, Popmusik und Deutschland, stammt auch aus dieser Zeit. Ein besonderer Zug von Masons späterer Musik ist die räumliche Dimension, die weit über den
Aspekt eines "Multi-Ensembles" hinausgeht, wie er zuerst bei Brant und Stockhausen auftritt. Seit 1993 hat Mason Arbeiten für bestimmte Säle geschrieben, die dann als höchst unterschiedliche Resonanzkörper für die Klänge wirken, die von den Musikern produziert werden - während umgekehrt die Musiker auch die akustischen und architektonischen Eigenheiten der Säle artikulieren.

Das wichtigste Ergebnis dieser Beschäftigung ist eine ausgedehnte Reihe von mittlerweile 14 Stücken -

größtenteils sehr viel strenger als Masons vorhergehende Werke konzipiert, doch alle mit einem starken außermusikalischen und visuellen Anteil -, die Mason unter dem Gattungstitel Music for European Concert Halls zusammenfasst.

Die Musik erreicht beim Publikum in vielen Fällen die Grenze der Hörbarkeit. Die Stücke brechen nicht nur mit den zeremoniellen Aspekten des traditionellen Konzertes - man könnte sie als "Konzertinstallation" betrachten -, sondern fordern auf zum genauen Hinhören. Es liegt in der Natur solcher Stücke, dass sie praktisch nicht aufgezeichnet werden können, was die derzeitige Ansicht des Komponisten spiegelt, der darauf besteht, dass Musik etwas ist, das von lebenden Musikern in einer authentischen akustischen Umgebung aufgeführt werden sollte, im Gegensatz zur Künstlichkeit von Musik aus den heimischen Lautsprechern.

Vor kurzem wurde ein Buch mit dem Titel outside sight unseen and opened herausgegeben. Es ist im Verlag Saint Hippolyte, Paris erschienen und setzt sich mit Masons Arbeit mit Konzerthallen auseinander.

©1999 Richard Toop